Einkaufsführer Streuobst

Naturschutz der schmeckt!

Vielfalt in Gefahr

Mit ihren schätzungsweise 5.000 Tier- und Pflanzenarten gehören Streuobstwiesen zu den artenreichsten und wertvollsten Lebensräumen unserer heimischen Kulturlandschaft. Allerdings sind unsere Streuobstbestände akut gefährdet. Flächendeckend brechen die Baumbestände zusammen und etwa 80 % werden nur unzureichend oder gar nicht gepflegt. Diese Situation spiegelt sich auch im Rückgang der Vogelarten wieder.

Gerade an diesen Punkt knüpft das Life+ -Projekt „Vogelschutz in Streuobstwiesen des Mittleren Albvorlandes und des Mittleren Remstales“ an. Zusammen mit insgesamt 47 Projektpartnern werden für das 450 km² große Projektgebiet zahlreiche Maßnahmen und Lösungsansätze erprobt, wie dieser einzigartige Lebensraum und seine Bewohner langfristig erhalten werden können.


Gefiederte Vielfalt – Vogelarten in Streuobstbeständen

Sowohl der vogelkundliche Laie als auch der versierte Vogelfreund können in den Streuobstbeständen des Projektgebietes eine Vielzahl an charakteristischen Vogelarten antreffen.

Viele Vogelarten wie zum Beispiel Steinkauz, Halsbandschnäpper und Wendehals sind sogenannte Höhlenbrüter, die auf ein ausreichendes Maß an geeigneten Baumhöhlen zur Brut zwingend angewiesen sind. In den meisten Fällen entstehen solche Höhlen durch Astabbrüche und Fäulnis. Manchmal werden sie auch von Spechten wie dem Grauspecht in das Holz alter Obstbäume gezimmert.

Doch auch spezielle Nisthilfen werden von den meisten Arten dankend angenommen. Mit ihrem Insektenreichtum bieten Streuobstwiesen einen reich gedeckten Tisch für die Vogelwelt. Halsbandschnäpper machen überwiegend im Kronenbereich Jagd nach Fliegen, Schmetterlingen und Käfern, während Gartenrotschwänze und Steinkäuze bevorzugt von Ansitzwarten aus ihren Beutetieren im kurzrasigen Unterwuchs nachstellen.

Aber auch Spechtarten wie der Wendehals und der Grünspecht finden dort ihre Leibspeise, Ameisenpuppen.


Vergessene Vielfalt – alte Obstsorten

Neben ihren oftmals seltenen Bewohnern beherbergen Streuobstwiesen einen anderen, wiederentdeckten Schatz: Alte, historische Obstsorten. Diese machen heute nicht nur als gesunder Vitaminspender oder kultige Spezialität von sich Reden. Vielmehr bilden auch deren individuelle Sorteneigenschaften die Grundlage für innovative, originelle und leckere Streuobstspezialitäten.

Charakteristische Obstsorten des Projektgebiets Alte Obstsorten auf Streuobstwiesen
Gewürzluike Fässlesbirne Stuttgarter Geißhirtle
Diese Apfelsorte findet man häufig in Streuobstwiesen des Projektgebietes. Die frisch saftigen Früchte mit ihrem angenehm säuerlichen Aroma sind vielseitig verwendbar. Die mächtigen, eichenartigen Bäume dieser Birne bieten optimale Lebensbedingungen für zahllose Vogelarten. Besonders Brenner schätzen diese Birnensorte wegen ihres kräftigen Aromas. Diese erfrischende Sommerbirne wurde um 1800 von einem Ziegenhirten in der Umgebung von Stuttgart gefunden. Die kleinen, besonders wohlschmeckenden Birnchen sind eine begehrte Spezialität.