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Innerhalb des 450 km² umfassenden Projektgebietes liegen rund 150 km² Streuobstwiesen. Diese ganz Baden-Württemberg prägenden und charakteristischen Lebensräume sind durch zunehmende Nutzungsänderungen und -aufgaben besonders bedroht und damit auch ihre Artenvielfalt besonders gefährdet. Daher zielte das Projekt hauptsächlich auf den Schutz bedrohter und europaweit bedeutsamer Vogelarten der traditionellen Streuobstwiesen ab. Dieses Hauptziel wurde durch das Zusammenwirken folgender Zielsetzungen erreicht:

  • Verlängerung der Lebensdauer der noch vorhandenen Streuobstbestände,
  • Verbesserung der Bewirtschaftungsmöglichkeit der Unternutzung (Grünland),
  • Entwicklung von Alternativlebensräumen ohne obstbauliche Nutzung / Pflege
  • Aufzeigen der Möglichkeit für ökonomisch tragfähige obstbauliche Nutzung unter Beachtung der Naturschutzbelange.

Die Optimierung der Lebensraumverhältnisse für die Vogelarten der Vogelschutzrichtlinie, wie Halsbandschnäpper, Wendehals, Neuntöter und Grauspecht, stand auch im Mittelpunkt der Ausrichtung des umfangreichen Maßnahmenpaketes des Projektes. Durch Aufrechterhaltung und Verbesserung der Bewirtschaftung sollten wichtige Naturschutzziele erfüllt werden und gleichsam der Bevölkerung und den Erholungssuchenden ein konkreter Nutzen verschafft werden. Gleichzeitig sollten die Vorgaben der Vogelschutzrichtlinie umgesetzt und wichtige Kulturlandschaftselemente, die Streuobstwiesen, gesichert werden. Dazu wurde eine naturschutzfachliches Leitbild erstellt, zahlreiche Einzelmaßnahmen umgesetzt und eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt.


Eine wesentliche Maßnahme war die Stabilisierung vorhandener Obstbaumbestände und die Verlängerung der Lebensdauer älterer Bäume durch fachkundigen Baumschnitt. Dies sollte erreicht werden durch eine „Revitalisierung“ von älteren „Habitatbäumen“ auf gemeindeeigenen Flächen, durch eine innovative Erprobungsphase von Baumpflegemaßnahmen auf Privatgrundstücken und durch die Fortbildung gewerblicher und privater Obstbaumpfleger.


Darüber war es ein Ziel die Bedingungen für eine landwirtschaftliche Grünlandnutzung der Streuobstwiesen organisatorisch zu optimieren und damit die Nahrungsbedingungen für die genannten gefährdeten Vogelarten deutlich zu verbessern. Vor allen Dingen ging es darum, in schwierig zu bewirtschaftenden Bereichen praxistaugliche Voraussetzungen zu schaffen, die eine längerfristige Grünlandnutzung sicherstellen können. So wurde unter anderem durch entsprechendes Management größere Bewirtschaftungseinheiten zur naturschutzorientierten Grünlandnutzung geschaffen.

Allerdings ist bereits jetzt absehbar, dass es Bereiche geben wird, in denen aus verschiedenen Gründen der traditionelle Streuobstbau wohl zum Erliegen kommen wird. In derartigen Gebieten wurden alternative Lebensräume für die Vogelarten der Streuobstwiesen geschaffen. Dafür wurden neue halboffene Landschaften durch Pflanzung nicht pflegebedürftiger Baumarten angelegt. Auch wenn die Förderung praktischer Maßnahmen in den Streuobstwiesengegenden im Vordergrund des Projektes stand, war eine breit angelegten Öffentlichkeitsarbei von großer Bedeutungt, um das Thema Natura 2000 mit positiven Aspekten in der Bevölkerung zu verankern. Dazu gehörten Event-Veranstaltungen, Aktionstage, Informationstafeln und Broschüren bis hin zu Vermittlung von Fachwissen an Streuobst-Multiplikatoren.


Einige Maßnahmen zielten auch darauf ab, über die Projektlaufzeit hinaus Natura 2000-Maßnahmen innerhalb des Projektgebietes längerfristig zu verankern. So wurde unter anderem beabsichtigt, eine Konzeption erarbeitet, die eine Aufnahme aufwertender Maßnahmen in überalterten Streuobstbeständen in bestehende oder geplante Ökokonten ermöglicht.

 

Weshalb ist die Erstellung eines Leitbildes notwendig?

Sehr viele Engagierte sind im Projektgebiet mit einem hohen Grad an Wissen über den Erhalt der Streuobstwiesen, die Pflege der Streuobstbestände und die Ansprüche der zu schützenden Vogelarten aktiv. Der Wissenstand dieser Akteure war allerdings unterschiedlich. Zudem waren wichtige aktuelle naturschutzfachliche und sozioökonomische Erkenntnisse zu den zu schützenden Arten und ihrer Lebensstätten nicht generell bekannt.


Im Rahmen des LIFE+-Projektes sollte einerseits Wissen vermittelt werden, z.B. durch die Ausbildung der Obstler. Andererseits sollte aber auch die sachgerechte, naturschutzorientierte Baumpflege gefördert werden. Um dabei eine möglichst zielgerichtete Vorgehensweise zu erreichen, waren die Aufarbeitung relevanter wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Schaffung eines einheitlichen Wissensstandes der Akteure notwendig.

 

Eine pdf-Datei der zusammenfassenden Broschüre zum naturschutzfachlichen Leitbild finden Sie hier zum Download. Das ausführliche Gutachten finden Sie hier.

 

Diese Broschüre können Sie beim Regierungspräsidium Stuttgart kostenlos bestellen. Bitte teilen Sie die gewünschte Anzahl und die Lieferadresse mit. Die Bestellung ist per Email an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder per Fax möglich. Ein Bestellformular finden Sie hier.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. April 2015 um 08:06 Uhr